Experimentelle Archäologie: Rekonstruierte römische Glasöfen im Einsatz

- das römische Glasofenprojekt des Archäologieparks Römische Villa Borg, das "Borg Furnace Project" (BFP2013, BFP2014 und BFP2015) -

 

 

Angeregt durch den Fund römischer Ofenlehmfragmente mit Glasfluß wurde von Juli bis September 2013 wurde im Archäologiepark Römische Villa Borg (Kreis Merzig-Wadern, Saarland) von Frank Wiesenberg ein Glasofen und ein Kühlofen rekonstruiert.

Das Glasofenexperiment im Archäologiepark Römische Villa Borg

Die Herstellung von Glas beeindruckt schon seit den Kelten und Römern die Menschen in vielen Teilen Europas. Bis heute sind viele Menschen fasziniert vom reichen Formen- und Farbspektrum, das Glas bietet. Das Handwerk des Glasmachers wird allerdings nur noch in wenigen Regionen gezeigt.

Es wurde schon in römischer Zeit praktiziert und sowohl die Herstellungstechniken als auch die Werkzeuge haben sich nur wenig verändert. Dennoch sind über die Jahrhunderte schon viele Techniken in Vergessenheit geraten, teils weil diese Techniken sehr aufwendig waren und deshalb nicht mehr angewendet wurden, teils weil die Formen „aus der Mode“ gekommen sind und die Herstellungstechnik deshalb in Vergessenheit geraten ist.

Ein Ziel des Glasofenprojekts in der Villa Borg ist die weitere Erforschung und Rekonstruktion antiker Fertigungstechniken sowie die Klärung wissenschaftlicher Fragestellungen zur Herstellung bestimmter Glasgefäße, z. B. frei und formgeblasener Trinkgläser, Kannen und Flaschen, aber auch komplexe Projekte wie die Herstellung von Rippenschalen und römischer Fensterglasscheiben.

Die hier rekonstruierten römischen Glasöfen und die dazu gehörigen Projekte sind die ersten ihrer Art in Deutschland.

Das Projekt beinhaltet neben der experimentalarchäologischen Rekonstruktion von zunächst einem Glasofen (GO Borg 1) auch einen Kühlofen (KO Borg 1) nach römischem Vorbild. Die Vorlagen für beide Öfen stammen aus der Grabung Trier-"Hopfengarten" und wurden uns freundlicherweise von Dr. Joachim Hupe und Bruno Kremer (beide von der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)* zur Verfügung gestellt. Dieser Grabungsbefund aus Trier ist auch deshalb interessant, weil er die Anordnung eines sehr kompakten Werkplatzes in römischer Zeit zeigt.

Die Rekonstruktion der Öfen war der größte Teil des Experiments. Neben dem eigentlichen Glasofen, in dem sowohl die Glasmasse geschmolzen als auch die Gläser bearbeitet werden, entstand auch ein Kühlofen. Dieser Kühlofen dient dazu, die fertigen Gläser nach der Bearbeitung langsam abzukühlen, um die Spannungen im Glas abzubauen. Beide Öfen wurden aus dem vor Ort vorhandenen Lehm gebaut. Weiter wurden römische Ziegelfragmente verwendet, die durch die Grabungstätigkeiten in Borg in großer Zahl anfallen. Da bislang für den Bau solcher Öfen im Handel erhältlicher Baulehm sowie in Belgien zusätzlich noch moderne Baustoffe wie Schamotteziegel verwendet wurden, war es unklar, wie sich die Öfen in Borg beim Anheizen verhalten würden.

Der Bau der Öfen startete am 30. Juli 2013 und erstreckte sich bis in den September. Nach einer ausreichend bemessenen Trocknungsphase konnten die Öfen am 30. September 2013 erstmals in Betrieb genommen werden.

Zuerst wurde der Glasofen gestartet, um ihn über einen gewissen Zeitraum langsam auf die erforderliche Temperatur von etwa 1000 Grad Celsius zu bringen. Gleich zu Beginn wurden auch die Keramikgefäße, die zur Aufnahme der Glasmasse dienen, in den Ofen eingebracht, um sie ebenfalls langsam zu erhitzen. Obwohl sich am Glasofen Risse zeigten, konnte relativ schnell festgestellt werden, dass die Konstruktion insgesamt der Belastung standhalten würde. Mittwochs konnte die Glasmasse in die Keramikgefäße im Ofen eingefüllt werden. Bei der verwendeten Glasmasse handelt es sich um Glas, dass nach römischer Rezeptur von den ROMAN GLASSMAKERS Mark Taylor und David Hill aus Quarley, England, hergestellt und für das Experiment zur Verfügung gestellt wurde. Beide beschäftigen sich schon seit über 20 Jahren mit der Rekonstruktion römischer Gläser sowie mit der Analyse der in römischer Zeit verwendeten Glasrezeptur. Freitags wurde auch der Kühlofen in Betrieb genommen und langsam auf eine Arbeitstemperatur von 500 Grad gebracht. Am Freitagabend wurden die ersten Glasgefäße geblasen.

Während der Glasofen über die gesamte Projektdauer hinweg auf gleichmäßig hoher Temperatur gehalten werden muss, lässt man den Kühlofen über Nacht abkühlen, um am nächsten Tag die fertigen Gläser heraus nehmen zu können.

Dieses 1. Glasofenexperiment (BFP2013) endete am Montag, 7. Oktober 2013, nachdem die letzten Gläser aus dem Kühlofen entnommen waren. Gleichzeitig wurde das Auskühlen beider Öfen beobachtet, um mögliche Veränderungen in der Baustruktur zu dokumentieren.

Im Juni 2014 folgte ein erstes Forschungsprojekt (BFP2014) in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln.

Weitere Experimente wie das Erschmelzen von Rohglas aus Quarzsand oder die praktische Überprüfung von Theorien zur Herstellung von Gläsern sind in Planung. Der nächste Betrieb der Glasöfen der Villa Borg ist mit dem BFP2015 für den Zeitraum 4. bis 7. Juni 2015 geplant (publikumsoffene Vorführungen insbesondere am 6. und 7. Juni 2015).

Das Glasofenexperiment im Archäologiepark Römische Villa Borg

Quelle: www.glasofenexperiment.de, ergänzt im April 2015

 

Um eine Doppelung zu vermeiden, sei an dieser Stelle auf die projekteigene Webseite des Glasofenprojekts im Archäologiepark Römische Villa Borg mit den aktuellen Informationen zum Projekt hingewiesen: www.glasofenexperiment.de

Dort sind folgende Themen in Unterseiten vorgestellt:

AKTUELLES

EINLEITENDE INFORMATIONEN

BAU DER GLASÖFEN

BORG FURNACE PROJECT 2013

BORG FURNACE PROJECT 2014

BORG FURNACE PROJECT 2015

UNI-VERANSTALTUNGEN

PUBLIKATIONEN

ARTIKEL

VORTRÄGE

 

Im Unterschied zu den vorangegangenen Glasofenprojekten in England (QuarleyFurnace Project) und Belgien (Velzeke Furnace Project) gaben die Ofenlehmfragmente eine gewisse Richtung vor: Zum Bau der Öfen sollte möglichst komplett auf modernes Baumaterial verzichtet werden. So sollten insbesondere im Glasofen keine moderne Schamottziegel, sondern ausschließlich aus den Ausgrabungen der Villa Borg stammende römische Dachziegelfragmente und der auf dem Gelände der Villa Borg anstehende Lehm verwendet werden. Da bei den dortigen Ofenlehm-Fundstücken keinerlei Magerung nachweisbar war, wurde auch in der Rekonstruktion auf eine solche verzichtet.

Ein erster Probebetrieb der Glasöfen fand vom 30. September bis zum 6. Oktober 2013 statt.

Als Zusammenfassung des Baus und ersten Probebetriebs ist am 5. April 2014 das Buch "Experimentelle Archäologie: Römische Glasöfen. Rekonstruktion und Betrieb einer Glashütte nach römischem Vorbild in der Villa Borg. Borg Furnace Project." erschienen, das zum Preis von 9,90 Euro beim Archäologiepark Römische Villa Borg erhältlich ist.

 

Mit dem "BFP2014 - Borg Furnace Project 2014" folgte im Juli 2014 das nächste Projekt am Glasofen der Villa Borg. Die ROMAN GLASSMAKERS Mark Taylor & David Hill sowie Francois Arnaud arbeiteten am römischen Glasofen. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln durchgeführt.

Eine Publikation dieses Projekts ist in Vorbereitung.

 

Im Juni 2015 folgte das nächste Projekt, das Mosaikglas, Rippenschalen und römisches Gensterglas als Projektschwerpunkte bahendelte. Ein weiteres Projekt ist für Oktober 2015 geplant.

Die projekteigene Webseite www.glasofenexperiment.de bietet einen Überblick über das Projekt.

 

 

 


IMPRESSUM

Frank Wiesenberg
Stammheimer Str. 135
D - 50735 Köln
Telefon 0173-2609231

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http://www.glasrepliken.de

Diese Webseite ist Teil des Projekts
RÖMISCHER VICUS



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