Text & Abbildungen © 2002 Mark Taylor und David Hill
Übersetzung © 2009 Frank Wiesenberg

Quelle: http://www.romanglassmakers.co.uk/nl1text.htm

 


Abb.1 - 1032: Mosaikschale in purpurner Grundfarbe mit kleinen weißen Punkten


Abb.2 - 1063: Mosaik-Patella in grüner Grundfarbe mit kleinen gelben Ringen


Abb.3 - 1048: Mosaik-Patella in opak-blauer Grundfarbe mit purpurn und weiß gemusterten Rosetten


Abb.4 - 1025: Mosaik-Patella in grüner Grundfarbe mit kleinen weißen und gelben Punkten


Abb.5 - Detail einer Patella mit Blei-/Kupfer-rotem Glas

ROMAN GLASSMAKERS
Newsletter 1 - Januar 2002

Allgemeine Einführung

Willkommen bei der ersten Ausgabe unseres Newsletters, mit dem wir unsere Arbeit im Bereich der hellenistischen und frühen römischen nicht geblasenen Gefäßen vorstellen. Dadurch, daß unsere Arbeit professionell ausgerichtet ist, können wir sowohl langfristig als auch kontinuierlich an diesem Thema arbeiten. So können wir unsere Ideen über einen längeren Zeitraum entwickeln und verbessern (ein Luxus, der im Bereich der experimentellen Archäologie sehr selten ist) und so zu Ergebnissen kommen, die mit kurzfristig angelegter Arbeit nicht zu erreichen wären.

In den sechs Monaten, seit wir uns in Vollzeit mit römischem polychromen Mosaikglas zu beschäftigen begannen, haben wir viel über die Techniken der Herstellung solcher Gefäße gelernt. Wie mit jeder Entwicklungsarbeit war auch hier der Fortschritt nicht stetig; unsere Lernkurve hatte einige Plateaus.

Als wir vor sechs Jahren mit Mosaikglas zu experientieren begannen dachten wir naiverweise, daß wir eine Glasscheibe zusammenschmelzen könnten, indem wir sie einfach in den Ofen einführen und den Ofen die Arbeit machen lassen würden. Das funktionierte natürlich nicht, denn so schufen wir lauter Scheiben voller Löcher, die zudem hartnäckig an den Ofenplatten, auf denen sie zuvor arrangiert wurden, hafteten.

Wir waren eigentlich erfolglos bis zu dem Punkt, an dem wir über Bill Gudenraths Arbeit in Hugh Tait "5000 Years Of Glass" (1991) lasen, ein Video über seinen Prozeß im Victoris and Albert Museum in London sahen und seine Techniken anwendeten. Seit Anfang 2001 haben wir auf seinem Fundament aufgebaut und viele eigene Verbesserungen und Verfeinerungen vorgenommen, von denen jede ihre Entdeckung der ständigen Wiederholung, weiterer Experimente und Lernen aus eigenen Fehlern schuldet. Wir behaupten nicht, daß unsere Techniken exakt die der römischen Glasmacher sind. Aber wir glauben, daß wir sehr dicht dran sein müssen, denn wir erhalten Resultate, die mit den originalen römischen Mosaikgläsern vergleichbar sind.

Wir stimmen naheliegenderweise Bill Gudenrath im Bezug auf die Techniken der Herstellung von römischem Mosaikglas zu, daß diese Gefäße in zweiteilige Formen gegossen wurden, wie von anderen Autoren vorgeschlagen. Unsere grundlegende Argumentation beruht auf der direkten Betrachtung originaler vollständig erhaltener Gefäße sowie Fragmente.

Der sichtbare Fluß des Glases (sichtbar in Verzerrungen des Musters, die bei vielen Gefäßen auftreten) ist nicht immer gleichmäßig, was man von einem in einer Form hergestellten Gefäß nicht erwarten würde. Dies legt einen Werkzeugeinsatz bei heißem Glas nahe - etwas, das bei einem in einer Form eingeschlossenen Gefäß nicht vorgenommen werden kann.

Standringe wurden oft als Gefäß-Füße angebracht, nachdem das Gefäß geformt wurde, was darauf hinweist, daß das Gefäß offen lag und heiß war als diese Ringe angebracht wurden. Nun könnte eingewendet werden, daß das Gefäß gesäubert und wieder erhitzt worden wäre, nachdem es aus der Form gebrochen wurde, aber das ist zu aufwendig. Unsere Arbeit mit römischem Glas in den letzten zwölf Jahren hat uns zu dem Glauben gebracht, daß die Römer stets die einfachste verfügbare Methode gewählt haben: In diesem Fall "live" (also Handarbeit am heißen Glas) und ohne Verwendung einer Form.

In folgenden Newslettern werden wir unsere Methoden und Argumente weiter ausführen und, obwohl die gleichen allgemein gültigen Punkte auf viele Gefäßglas-Typen des Hellenismus und der frühen römischen Kaiserzeit zutreffen, gibt es viele Details, die ihre eigene Erklärung verdienen. Aber all dies ist Teil der Herstellungstechnik von Gefäßglas dieser Zeit. Tatsächlich sind alle Gefäßtypen dieser Perioden, inclusive Rippenschalen, Mosaikglas, monochromen Gefäßen und sogar "gegossenem" Fensterglas, von der Fertigungstechnik her miteinander verwandt.

Wir haben auch das Thema der Zusammensetzung von farbigem Glas für diese Gefäße angepackt. Viele Rezepturen für diese Farben sind relativ einfach. Wie schon bekannt kann das transparente Glas einfach durch Eisen-, Mangan-, Kupfer- und Kobaldoxide gefärbt werden - aber die opaken Glasfarben sind viel interessanter.

Viele opaken Farben schulden ihre Opakheit dem Kalzium-Antimon, was bekannt ist, und auch Opakweiß mit blauen, grünen, pinken oder braunen Schattierungen unter Verwendung der Metalloxide herzustellen ist nicht schwer.

Aber mit Opakgelb (zusammen mit Opakgrün) und Opakrot (siehe Newsletter 3) verhält es sich anders als mit den anderen opaken Farben: Gelb wird durch Blei-Antimon und Rot (Hämatin) durch Kupferoxid im Kupferstadium gefärbt. Diese Prozesse sind komplizierter als diese der anderen Farben, und es ist leicht nachvollziehbar, daß rot und gelb selten verwendet wurden. Diese Farben waren vermutlich teuer zur damaligen Zeit, und ihre Herstellung ein gut gehütetes Geheimnis.

Weitere Newsletter werden einige der hier angerissenen Themen vertiefen und sowohl Illustrationen zu diesen Themen als auch Bilder unserer aktuellen Arbeiten beinhalten.

 

Mark Taylor and David Hill 2002


Newsletter 1 - Allgemeine Einführung
(Januar 2002)

Newsletter 2 - Schleifen & Polieren
(Februar 2002)
Newsletter 3 - Siegelwachs-Rot
(April 2002)
Newsletter 4 - Stangen, Stäbe und Rosetten, frühe römische Kaiserzeit
(Juli 2002)
Newsletter 5 - Stangen, Stäbe und Rosetten, hellenistische Periode
(April 2003)
Newsletter 6 - Schmelzen und Absenken
(Juli 2003)
Newsletter 7 - Sandkerngefäße
(Januar 2005)

 


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